Die Wissenschaft hat Recht

In der Kolumne Apropos der Tageszeitung Der Bund habe ich letzte Woche diesen wunderbaren Beweis gelesen, das die Wissenschaft (fast) immer Recht hat:

Endlich haben wir den unzweifelhaften Beweis dafür, dass die Wissenschaft nicht nur Recht hat, sondern dass es sogar logisch ist, dass dies so ist. Die Einsicht verdanken wir dem Epidemiologen John Ioannidis, der glaubt, er behaupte das Gegenteil.

Ioannidis hat die Probe aufs Exempel gemacht und die Mechanismen des wissenschaftlichen Publizierens unter die Lupe genommen. In einem Artikel in der «Public Library of Science» kommt er zum Schluss, dass die statistische Wahrscheinlichkeit für die Richtigkeit einer beliebigen einzelnen wissenschaftlichen Arbeit unter fünfzig Prozent liegt. Schuld daran seien zu kleine Samples, schlechte Studiendesigns, selektive Auswertungen und so weiter und so fort.

So weit, so schlecht. Ioannidis ist aber sein eigener Advocatus Diaboli, denn wenn man es recht bedenkt, trifft ja auch auf seine eigene Arbeit die Tatsache zu, dass sie bloss ein einzelner wissenschaftlicher Beitrag zum Thema ist. Also liegt – wie sie selber behauptet – die Wahrscheinlichkeit, dass sie korrekt ist, unter fünfzig Prozent. Dies wiederum lässt den glasklaren Schluss zu, dass sie vermutlich eher falsch ist, woraus geschlossen werden kann, dass eine beliebige wissenschaftliche Arbeit vermutlich eher richtig ist.

Anders gesagt: Wenn Ioannidis Recht hat, hat er Unrecht, was ein logischer Widerspruch ist, wie schon das antike Lügnerparadox erkannt hat. Das heisst, er kann gar nicht Recht haben, was wiederum zwingend beweist, dass die Wissenschaft auf guten Wegen ist. Ist doch logisch, oder?

Quelle: http://www.espace.ch/artikel_155360.html

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