Das kleine Strassenverkäufer 1×1
Eben wurde ich von einem Strassenverkäufer angesprochen, welcher sein Handwerk wirklich versteht: Nur dank höchster Konzentration bin ich nun nicht stolzer Besitzer diverser esoterischer Literatur. Dabei habe ich ein paar einfache, aber äusserst wirkungsvolle Tricks mitnehmen können, wie man sicher jeden Seich an den Mann oder die Frau bringt. In Zeiten wirtschaftlicher Krise möchte ich euch dieses wertvolle Wissen natürlich nicht vorenthalten:
- Ziehe dich ganz Normal an. Wenn du in Schale anrückst, wissen sofort alle, das du entweder von Cablecom oder Weltbild bist und suchen das Weite.
- Spricht die Zielperson mit einer absolut unverfänglichen Frage an, welche deine wahre Intention nicht verrät. In meinem Fall Kommst du aus Bern oder von auswärts? Der Angesprochene hält dich für einen unbeholfenen Touristen der das Bundeshaus sucht, und schon hast du seine Aufmerksamkeit.
- Stell dich kurz vor und gibt dich als Mitglied einer moralisch unantastbaren Gruppe aus. Mein Verkäufer war ein gläubiger Mönch. Was kann an einem Mönch schon falsch sein?
- Der Kunde soll die Ware in die Hand nehmen! So entsteht sofort eine Beziehung zum Produkt und man kann nicht einfach weglaufen.
- Halte verschiedene Ausprägungen des zu verkaufenden Produktes in der Hinterhand. Wenn der Kunde gegen das erste Exemplar Einwände hat, hat er vielleicht zum zweiten oder dritten keine Ausrede mehr.
- Und nun der Hammer: Lass den Kunden selbst den Preis bestimmen! Man hat sofort den Eindruck, du handelst aus Überzeugung und nicht aus purem Kapitalismus.
Mein gläubiger Verkäufer wollte mir einen Satz Bücher andrehen, von der inneren Selbstfindung bis zu einem vegetarischen Kochbuch war alles dabei. Erst als ich ein paar Minuten später in der Stadt einen weiteren Typen traf, welche eine Person mit der genau gleichen unverfänglichen Frage ansprach, viel bei mir der Fünfer. Eigentlich hätte es mir ja auffallen müssen, wenn mir ein deutscher (!) Mönch im Marzili ein vegetarisches Kochbuch andrehen will…